Zum ersten Mal, meldet der Mediendienst kress report, gebe es in Deutschland mehr Pressesprecher als Journalisten.

Aus: http://www.zeit.de/2009/49/DOS-Medien?page=all (lesenswert)

Irgendwann im Laufe der 80er Jahre verfestigte sich ein bemerkenswerter Trend. Allenthalben wurde dazu aufgerufen, die eigene Karriere zielgenau zu planen und dem übergrossen Bedarf der Wirtschaft nach Betriebswirtschaftlern und Juristen Rechnung zu tragen.

Das wurde sogleich auch begierig aufgenommen und fortan entwickelte sich ein grosses Hauen und Stechen um die knappen Ressourcen in den völlig überlaufenen Instituten. Es wurden Seiten aus den Büchern der kanonischen Literatur herausgerissen und um gute Plätze in den Hörsälen gekämpft. Manches mal kam es in den Warteschlangen vor Prüfungsämtern zu ausgewachsenen Keilereien.

Mal abgesehen davon, dass man die kanonischen, gedanklichen Grundlagen dieser Fächer durchaus als Witz und weniger als eine wissenschaftliche Disziplin auffassen kann (Ich tue das hiermit!), kann man diesen beiden Spielarten der postmodernen Bildungsprothetik nicht gerade zu Gute halten, dass sie sich in ihrer Ausübung dem humboldtschen Bildungsideal verschrieben hätten.

Kleine Zwischenbemerkung:

Nein, ich halte nicht alle Juristen und Betriebswirtschaftler für Vollidioten oder "schlechte" Menschen. Das ist ebensowenig wahr, wie der Glaube bei Vertretern dieser Spezien handele es sich per se um nützliche Mitglieder der Gesellschaft.

Ende der kleinen Zwischenbemerkung

Bemerkenswert bleibt, dass dieser oben genannte Trend weiterhin anhält und wir mittlerweile in der bedauernswerten Lage sind, uns die Folgen dieser Entwicklung, der Turboproduktion von Anwälten und Businissmen, ad hoc, in Echtzeit zu Gemüte zu führen. Spekulation erübrigt sich.

Buchholz [Geschäftsführer bei Gruner + Jahr N.N.] studierte Jura, dann war er mal Landespolitiker bei der FDP in Kiel. Als Journalist hat er noch nie gearbeitet. Er sagt: »Wir müssen aus der Starrheit des Denkens raus.«

Aus dem oben verlinkten Artikel

Was wird nicht überall betriebswirtschaftelt und juristet. Sie sind überall, müllen die Gesellschaft mit ihren mühsam angepaukten Erkenntniskrücken zu und befinden sich nach ihrer intrinsischen Weltsicht entweder im "Recht" und/oder auf der Gewinnerseite.

Selbstverständlich sickert auch die eingeübte Lebenspraxis des Seiten-aus-Büchern-rausreissens und Sich-in-Warteschlangen-auf-die-Schnauze-hauens verpackt als naturgesetzliches Gegeneinander, als pseudo-darwinistisches Konkurrenzgelaber in alles, was nach gesellschaftlichem Diskurs riecht und nicht bei "Drei" auf den Bäumen ist.

Und da sitzen sie jetzt, die BWler und die Juristen, in den Vorstandsetagen der Verlage und Medienunternehmen als willfährige Erfüllungsgehilfen der Macht und des Kapitals, die sie anbeten, als gebe es kein Gestern und kein Morgen, als Optimierer und Abmahner, als Finanzjongleure und AGB-Schreiber.

Wenn es noch eines umfassenden Beweises dafür bedurft hätte, dass auch ein Doktotitel kein zuverlässiger Schutz vor der eigenen Jämmerlichkeit bedeutet, könnte man dieses Feldexperiment jetzt für beendet erklären und sich erfreulicheren und sinnvolleren Dingen zuwenden. So wie es aussieht, gibt es einige Baustellen auf dieser Welt: sozialer Ausgleich, Versorgungs- und Energiefragen, von mir aus die Oberweite des Popsternchens du jour. Naja, Wunschdenken!

Macht weiter so, Jungs und Damens! An Arschgeigen hat es der Welt nie gemangelt. Da macht es auch keinen grossen Unterschied, ob man dafür studiert hat. Oder doch?

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