Der Begriff "Werte" wird gerne in den Mund genommen. Namentlich konservative Politiker und Journalisten simulieren gerne ein intimes Verhältnis zu Sitten und Gebräuchen. Schaut man etwas genauer hin, stellt man meist fest, dass bei solchen Äusserungen üblicherweise viel geredet aber nichts gesagt wird. Abgesehen von der Tatsache, dass die konkreten politischen Entscheidungen dieser Volksschauspieler in keiner Weise dazu geeignet sind, traditionelle Lebensweisen zu bewahren, es sei denn man hält "Schuhplatteln in der Wiederaufbereitungsanlage" für ein geeignetes Konzept, bleibt meistens völlig unklar von welchen "Werten" denn nun überhaupt gefaselt wird. Da wird ein schwammig-schummeriger Schaum geschlagen, dessen Ingredenzien so verständlich benannt sind, wie die Liste chemischer Zutaten auf einer Shampooflasche.
Konkret lassen sich dann höchstens Bezüge erkennen zu solch grandiosen Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Sauberkeit und dieser so spezifischen Auffasung von Ordnung, die reduktionistisch zu nennen einer Ohrfeige ins quadratische Gesicht der Reduktionisten gleichkommt. Irgendwie "anständig" halt.
Um den lauwarmen Winden, welche regelmäßig den Tugendbolden entfahren, die nicht nur die Nase beleidigende Wirkraft zu dämpfen, sei es mir gestattet, hier zumindest einen knallharten moralischen Grundsatz,den kontradiktorischen Infinitiv, zu formulieren:
Mache dich niemals zum Gefangenen deiner eigenen Prinzipien!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Very special Thanks to The Formerly 12 Year Old Genius for spiritual guidance, fscking cool dancin', Formulierungshilfe and for loving us all.